Geissfuss

Einbruchswerkzeug im Fachgeschäft

Eigentlich schreibe ich lieber, wie man’s richtig tut. Nur gibt’s halt auch immer wieder Beispiele, wie man es nicht tun sollte. Kürzlich hab ich so eins erlebt. Besonders dreist. Darum berichte ich. In der Hoffnung, dass man sich das Learning zu Herzen nimmt.

Meine Uhr, eine Certina DS PRO aus Titanium, blieb stehen. Klarer Fall von leerer Batterie. Und weil die zweite Uhr schon länger still stand, musste der Batteriewechsel schnell gehen. Keine Zeit also, beim Fachgeschäft des Vertrauens vorbeizugehen. Und weil ich am nächsten Tag zufällig im Stücki in Basel war und es dort mit Kurz ein Fachgeschäft für Uhren und Schmuck gibt – ja, sie haben sogar Certina im Sortiment – entschied ich mich spontant, meine Uhr in die Hände einer Fachperson zu geben. In einer halben Stunde sei sie wieder abholbereit. Das passte wunderbar – wollte ich doch sowieso noch bei Starbucks vorbei.

Als ich meine Uhr wieder abholen ging, es war etwa 19:30 Uhr, wurde ich bei der Verabschiedung darauf aufmerksam gemacht: “Ihre Uhr ist jetzt nicht mehr wasserdicht.” – “Wie bitte, das sagen Sie mir auch noch früh”, war meine Antwort. “Das ist ganz normal nach einem Batteriewechsel”. Ja, dachte ich, aber nicht in einem Fachgeschäft mit offizieller Vertretung. Ich habe das auch schon erlebt. In einem Fachgeschäft. Ohne Vertretung für die andere Marke. Mit einem Hinweis im Voraus. Ich erkundigte mich dann noch, ob ich die Uhr nun zum Händewaschen ausziehen müsse, die Dame riet mir jedoch lediglich, nicht mit der Uhr zu duschen (was ich sowieso nie tue). Aber hey, eigentlich ist die Uhr bis 100m wasserdicht.

Am nächsten Morgen staunte ich nicht schlecht, als meine Uhr immer noch das Datum vom Vortag anzeigte. War sie etwa schon wieder stehen geblieben? Nein! Die Fachperson hat die Uhr am Vortag lediglich auf 7am und nicht 7pm eingestellt. Fachperson. Genau. Aber es kommt noch schlimmer. Viel schlimmer.

Am Abend des Folgetages schaue ich zufällig zwischen meinem Handgelenk und der Krone an die Uhr. Und was sehe ich? Einbruchspuren. Tiefe, runde Furchen. Nein, die waren vor dem Batteriewechsel nicht dort. Das hätte ich glaub selbst noch besser hingekriegt. Und weil ich wieder in der Nähe von Stück war, ging ich zugleich zu Kurz. Und zu meinem Glück war auch die Dame von vor zwei Tagen dort. Und sie erinnerte sich an mich. Das bestätigte sie mir auf Anfrage. Wieso wohl nur? War ihr etwa bewusst, wieso ich schon wieder da stand? Ich fragte Sie, ob sie für den Batteriewechsel Einbruchswerkzeug verwendet habe und reichte ihr die Uhr. Ohne zu wissen, worauf ich hinaus wollte, schaute sie gleich an den richtigen Ort. Und meinte nach kurzer Zeit: “da müssen wir wohl eine Lösung finden”. – “Ja, das wäre schön”, erwiderte ich. Ob es ok sei, wenn sie einen neuen Uhrboden und eine neue Dichtung bestelle und diese dann von einer Fachperson eingesetzt würden?

Dichtung? Wusste sie etwa, dass diese auch beschädigt war? War die Uhr etwa deshalb nicht mehr wasserdicht?

Und Fachperson? Wo genau befand ich mich? Auf einem Uhren-Markt mit billigen Asia-Kopien?

Ich sagte nur kurz ja, verlangte die Lieferung gleich in die Filiale, wo es einen Uhrmacher gab und würde mich dann nach Avisierung dort melden. Nur raus hier. Raus aus diesem “Fachgeschäft”.

Diese Woche war es dann endlich soweit. Ich ging zu Kurz an der Freiestrasse in Basel. Bei Betreten wurde ich von einer korrekt gekleideten Person begrüsst und nach meinem Anliegen gefragt. “Garantiefall”, sagte ich, und reichte ihm die Quittung. Er schaute sie an und meinte “Stücki”. Ich: “Ja, man hat mich hierher geschickt”. Er verdrehte die Augen sichtbar. Und sein Atem war auch hörbar. Fast schon ein Seufzer. Oha, dachte ich mir.

Man kümmerte sich dann rührend um mich. Bot mir Getränke und Snacks an. Nein, meine DS PRO kostete keine CHF 5’000.-, aber ich fühlte mich als ob. Der junge Mann verschwand, kam nach kurzer Zeit wieder und meinte “unsere Geschäftsführerin schaut sich ihre Uhr an und wird gleich bei ihnen sein”. Wow. Geschäftsführerin. Man nimmt Reklamationen, die noch gar nicht ausgesprochen sind, offenbar ernst.

Kurze Zeit später war dann auch die Geschäftsführerin bei mir. Mit meiner Uhr. Dreckig. Nicht die Geschäftsführerin, sondern meine Uhr. Wie eh und je. Muss sie wohl doch selber ins Ultraschallbad geben. Wenn sie denn nur wasserdicht wäre. Meine Uhr wurde mir übergeben. Neuer Boden, neue Dichtung. Sie habe auch gleich eine neue Batterie eingesetzt. Nur um sicher zu gehen. Denn was ich bisher nicht schrieb: die Uhr blieb an diesem Tag  für eine Stunde stehen und lief erst weiter, als ich den Chronographen betätigte. Die Uhr sei jetzt wieder 100m wasserdicht, versicherte mir die Dame. Und entschuldigte sich mehrmals.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich kein Einzelfall bin. Die Reaktion des Herrn beim Empfang spricht Bände.

Mein Tipp an die Dame bei Kurz im Stücki:

Halte Dein Gegenüber nur für so blöd, wie Du Dich selber hältst

Mein Tipp an Kurz: Sorgt für Qualität. Durchgängig. Und nicht erst bei Reklamationen.

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